Künstliche Intelligenz schreibt Code, löst Aufgaben, formuliert Texte. Braucht es dann überhaupt noch digitale Kompetenzen? In Folge 6 des BildungsBooster Podcasts sprechen Jana Krotsch und Stefan Berndt mit Dr. Julia Freudenberg, CEO der Hacker School, über die Antwort – und warum sie mehr mit Chancengleichheit zu tun hat als mit Technik.
Künstliche Intelligenz schreibt Code, löst Aufgaben und formuliert Texte in Sekunden. Die naheliegende Schlussfolgerung: Programmieren zu lernen ist überflüssig geworden. Dr. Julia Freudenberg widerspricht – und zwar aus einem Grund, der wenig mit Technik und viel mit Teilhabe zu tun hat.
Die CEO der Hacker School ist zu Gast in Folge 6 des BildungsBooster Podcasts. Gemeinsam mit Jana Krotsch, Gründerin von ubiMaster, und Stefan Berndt von Ja klaHR diskutiert sie, welche Kompetenzen junge Menschen in einer Welt brauchen, in der Künstliche Intelligenz immer mehr Aufgaben übernimmt.
Julia Freudenbergs Bild für die Rolle des Programmierens ist eingängig: Coding ist das digitale Krabbeln. Niemand krabbelt ein Leben lang – aber ohne diesen Schritt fehlt das Gespür dafür, wie sich Technologie bewegt.
Es geht nicht darum, dass jedes Kind Softwareentwicklerin wird. Es geht um die Erfahrung, dass hinter Apps, Algorithmen und KI-Systemen nachvollziehbare Logik steckt. Wer diese Erfahrung nie gemacht hat, bleibt Konsument von Technologie, statt sie zu verstehen.
Der Unterschied zwischen Nutzen und Verstehen wird in einer KI-Welt größer, nicht kleiner. Ein Chatbot liefert Antworten – aber wer nicht einschätzen kann, wie diese Antworten entstehen und wo ihre Grenzen liegen, ist auf Ergebnisse angewiesen, die er nicht bewerten kann.
Genau hier liegt für Julia Freudenberg die zentrale Bildungsaufgabe: Junge Menschen sollen KI nicht nur bedienen, sondern mündig beurteilen können. Das setzt ein Grundverständnis digitaler Systeme voraus, das sich nicht durch Anwendung allein entwickelt.
Ein Risiko, das im Gespräch besonders deutlich wird: KI kann Lernen erleichtern – und gleichzeitig dazu führen, dass eigenes Denken, Üben und Erfahrungslernen ausgelassen werden. Wer jede Aufgabe delegiert, baut die Fähigkeit ab, sie selbst zu lösen.
Für Bildung bedeutet das eine Verschiebung: Wissen zu vermitteln reicht nicht mehr. Es braucht Mut, Urteilskraft, Selbstwirksamkeit und Lust am Lernen – Eigenschaften, die keine KI übernehmen kann.
Digitale Bildung ist kein Technikthema, sondern eine Frage von Chancengleichheit. Ob ein Kind früh Zugang zu Programmieren, digitalen Werkzeugen und Vorbildern aus der Tech-Welt bekommt, hängt in Deutschland noch stark vom Elternhaus ab.
Unternehmen sind hier keine Zuschauer. Über die Hacker School können sie ihre eigenen IT-Fachkräfte als Inspirer in Kurse schicken und jungen Menschen genau diesen Zugang schaffen. Ein Modell, das Bildungschancen verbessert und gleichzeitig etwas gegen den Fachkräftemangel tut – lange vor dem Recruiting.
Digitale Bildung bedeutet nicht, dass jedes Kind Programmierer werden muss. Aber jedes Kind sollte verstehen, wie Technologie funktioniert und erleben, dass es die digitale Zukunft mitgestalten kann.
Der BildungsBooster ist der Podcast für meHR Chancengleichheit – ein gemeinsames Format von ubiMaster und Ja klaHR. Jana Krotsch, Gründerin von ubiMaster, und Stefan Berndt, HR-Experte und Podcaster, sprechen mit Gästen aus Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft darüber, wie Bildung gerechter werden kann. Neue Folgen erscheinen jeden ersten Dienstag im Monat auf allen gängigen Podcast-Plattformen.
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